Möglichkeiten und Grenzen der Goldimplantation bei degenerativen Gelenkerkrankungen

Margit Rogalla, Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Dres. Rogalla und Rummel, 61130 Nidderau

Definition Goldimplantation ( GI ) = Goldakupunktur ( GA ) : die GA stellt eine Variation der Nadelakupunktur dar, bei der Goldkugeln ( Bits) O 1mm in wohldefinierte Akupunkturpunkte implantiert werden , um eine dauerhafte Akupunkturwirkung zu erzielen ( Schmerzfreiheit, resp Schmerzreduktion).
Angewandt wird die GA nahezu ausschließlich bei Hunden mit degenerativen Gelenkerkrankungen. In den USA wird diese Methode seit den 70-ger Jahren mit großem Erfolg ( z.B. HD : 90% ) angewandt, seit 1995 wird
auch in Deutschland die GA vermehrt durchgeführt.

Hunde aller Altersklassen können degenenerative Gelenkerkrankungen entwickeln. Statistisch stehen die Knochen und Gelenkveränderungen an 3. Stelle der Erkrankungshäufigkeit beim Hund, und innerhalb dieser Gruppe ist die Osteoarthrose (= Osteoarthritis = OA ) die häufigste Form der Störung des Bewegungsapparates.
Klinisch manifestiert sie sich als Syndrom von chronisch oder chronisch rezidivierendem Gelenk – und Muskelschmerz , Gelenkdysfunktion mit artikulären und periartikulären Schwellungen, sowie schubweisen entzündlichen Veränderungen im Gelenk.

Die GA ist bei Hunden jeden Alters indiziert. Erstrebenswert ist jedoch die frühzeitige Behandlung (vor Beendigung der Wachstumsphase ) , um Sekundärschäden, die durch die schmerzmindernde Schonhaltung der Tiere entstehen zu reduzieren .Wird das Ziel der Schmerzreduktion ( - freiheit ) erreicht, bedeutet das eine erhebliche Lebensqualitätssteigerung für den Hund, die positiv von den Besitzern bewertet wird. Das erklärt die hohe Besitzercompliance dieser Methode von 96%:

Allerdings werden zur GA in der Regel die Hunde erst im fortgeschrittenem Alter
( mittelalt – alter Hund ) vorgestellt mit der klinischen Symptomatik von Schmerzen , Lahmheit, Bewegungseinschränkung, Muskelatrophie, d.h. im etablierten Chondropathiestadium mit röntgenologsch apparenten Knochenveränderungen ( Sklerose, Osteophytose ...) .

Eigene statistische Untersuchungen von 300 Hunden über einen Zeitraum von 5 Jahren belegen deutlich wie sich der Hund vom unifaktoriellen zum multifaktoriellen Schmerzpatienten entwickelt.

Bei jüngeren Hunden (< 4 Jahre) ist die OA i. d. R. auf eine Funktionseinheit beschränkt: entweder Hüft- oder Ellenbogengelenk. Die Hälfte der vorgestellten Fälle mit Lahmheiten in der Vorderextremität waren chirurgisch vorbehandelt (FCP-, OCD- OP). Unabhängig vom Eingriff und OP- Methode (direkt / indirekt arthroskopisch) ist es zu einer röntgenologisch nachweisbaren Progression der OA gekommen.
Beim mittelalten (5-8 Jahre) bis alten Hund (8 –11) sind durch die unphysiologischen Gewichtsverlagerungen nicht ursächlich erkrankte Gelenke mit in das Schmerzgeschehen einbezogen worden.
Er hat sich aufgrund der Chronifizierung des Initialgeschehens zum multifaktoriellen Schmerzpatienten entwickelt (Hauptläsionen Hüft- und Ellenbogengelenk oder Hüft-, Ellenbogen- und Kniegelenk)
Beim alten Hund zeigen sich sehr häufig zusätzlich durch die permanente Fehlbelastung an der Wirbelsäule Spondylosen, Ankylosen an den kinetischen Schnittstellen im lumbo –sakral, thorako – lumbal und thorakalen Bereich hinter der Scapula ( = Center of grativity ), die ihre pathogenetische Erklärung in der Überspannung der Ligg. Long. Ventr. und der Reizung der Wirbelventralflächen, Ventralflächen der Bandscheiben haben.
.
Eine exakte Analyse des Schmerzsyndroms ist obligat. Sie entscheidet über die Eignung des Patienten zur GA und ist ausschlaggebend für den hohen Erfolgsquotienten dieser Methode.
  • Ganganalyse
  • orthopädisch- neurologischer Untersuchungsgang
  • Akupunktur (Triggerpoint) –diagnostik
  • Röntgendiagnostik
  • weiterführende Diagnosti k (Myelographie, Arthroskopie, CT
    Diagramm


Falldemonstrationen unter der Fragestellung : GA als Prophylaxe ( HD) , therapeutische Maßnahme, postoperative Arthroseprävention, , Kontraindikation


1= beschwerdefrei (der Hund ist in seinen Bewegungsmöglichkeiten von einem gesunden Tier nicht zu unterscheiden)
2= wesentlich besser (der Hund bewegt sich wieder beschwerdefrei, in Extremsituationen wie
Wetterumschwung, starker Belastung zeigt er Lahmheit, die ohne Behandlung wieder vergeht)
3= zufriedenstellend ( der Hund bewegt sich besser, benötigt jedoch ab und zu Schmerzmittel)
4= unverändert ( die GA ist ohne Auswirkungen geblieben)


Conclusio:
Grundsätzlich gilt, daß bei der Behandlung von Hunden mit degenerativen Gelenkerkrankungen so früh wie möglich therapeutisch interveniert wird. Das ist der Schlüssel zum Erfolg., Fortgeschrittener Knochenumbau, Muskelatrophie, Gelenkinstabilität verschlechtern die Prognose.
Die Statistik belegt deutlich, daß jüngere Hunde größere Aussichten auf eine schmerzfreie
Restitutio haben als ältere Hunde
Optimal erscheint es, die GA präventiv anzuwenden, denn schon die minimalste Veränderung im hochkomplexen dynamischen Bewegungsapparat führt zu orthopädischen Problemen.
So ist es ratsam , die GA sowohl prophylaktisch bei früh diagnostizierten HD- Patienten anzuwenden als auch postoperativ bei orthopädischen Patienten. Einige Fälle deuten darauf hin, daß die GA die Entwicklung osteopathologische Prozesse verhindert. Langzeitbeobachtungen sind noch in der Auswertung. ( insbesondere bezüglich ED- Patienten)
.
Ausschlaggebend für den Erfolg der GA ist die ganzheitliche Akupunktur-Diagnostik nach den Regeln der traditionellen chinesischen Medizin., d.h., nur wenn in die für den Patienten individuell zutreffenden Akupunkturpunkte implantiert wird, kann das Ziel der Schmerzreduktion erreicht .werden. Die Akupunkturlehre kennt keine Standardbehandlungen !

Gelingt die Schmerzreduktion durch eine Dauerakupunktur mit Goldimplantaten wird der Hund durch vermehrte Bewegung (Trainingsprogramm) an Muskelmasse und –kraft zunehmen und damit die Fehlbelastung auf den arthrotisch veränderten Stützapparat minimieren. Der verzögerte Einsatz des Erfolges (3 – 6 Monate) der GA stützt diese These.
Bemerkenswert ist , daß alle Hunde, die vor der GA regelmäßig Schmerzmittel erhalten haben, diese nicht mehr benötigen. .Die Schmerzmittel konnten entweder dauerhaft ganz abgesetzt werden oder müssen nur noch in Belastungssituationen verabreicht werden..

Zusätzlich zur GA sind begleitende und therapeutische Maßnahmen empfehlenswert

  • Bewegungstraining
  • Akupunktur
  • zeitlich begrenzter Einsatz von Schmerzmitteln (Fallentscheidung)
  • Gelenkinjektion
  • Chondroprotektiva
  • Homöopathika
  • Schmerzreduktion
  • Anabolika

Die OA ist chronisch progressiv und nicht heilbar.

Ziel der GA ist es, das Krankheitsgeschehen zu verlangsamen. Auch wenn die Goldakupunktur eine Schmerzreduktion(-freiheit) erzielt, bleibt der OA- Patient ein Dauerpatient.
Regelmäßige Nachuntersuchungen und Beratungen durch die Haustierpraxis müssen den Tierhaltern nahegelegt werden und sind entscheidend für die optimale medizinische Betreuung und Besitzercompliance.


Handout BadenBaden April 2002 zum Vortrag Goldakupunktur

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